Fraunhofer Demonstrationsstandort Hohenburg

Groß-Forschungsanlage zu nachhaltigen Kraftstoffen und Chemieprodukten

Pressemitteilung /

Bei einem vor Ort Besuch informierte sich Bayerns Wirtschafts-Staatssekretär Tobias Gotthardt über den Ausbau des Demonstrationsstandorts Hohenburg (Landkreis Amberg-Sulzbach) des Fraunhofer Instituts UMSICHT. Hier wird an den Kohlenstoffkreisläufen der Zukunft geforscht: Fossiles Erdöl soll künftig durch alternative, nachhaltige Kohlenstoffquellen, zum Beispiel biogene Reststoffe oder kunststoffhaltige Abfälle ersetzt werden. Mit den Technologien in Hohenburg können daraus dann klimaneutrale Kraftstoffe, künftig aber auch Chemieprodukte oder Kunststoffe erzeugt werden. Dies ist ein wichtiger Baustein für die Defossilisierung der Bayerischen Industrie.

© Fraunhofer UMSICHT
Fraunhofer Demonstrationsstandort Hohenburg
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Staatssekretär Tobias Gotthardt beim Besuch des Fraunhofer Demonstrationsstandorts Hohenburg. Pascal Schwarz, Armin Leinfelder, Alexander Hofmann, Prof. Dr.-Ing. Matthias Franke, Stefan Hölzl, Tobias Gotthardt, Matthias Segerer, Hans Martin Grötsch, Florian Junkes, Stefan Frank, Peter Dotzler (v.l.)
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Staatssekretär Gotthardt mit einer Probe Pyrolyseöl, das in der Demonstrationsanlage in Hohenburg erzeugt wurde.

Der Fraunhofer Demonstrationsstandort Hohenburg wurde im Rahmen eines EU-Projekts errichtet. Die Entwicklung der zugrundeliegenden Technologien erfolgte mit Mitteln des bayerischen Wirtschaftsministeriums in mehreren Vorläuferprojekten. Der Standort wird vom Institutsteil Sulzbach-Rosenberg des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT betrieben und derzeit mit Eigenmitteln weiter ausgebaut. Im Schwerpunkt werden hier Technologien zur Erschließung alternativer Kohlenstoffquellen für die industrielle Produktion und Mobilität entwickelt.

In Hohenburg wurden in über 1.000 Betriebsstunden bereits mehr als 500 Tonnen getrockneter Klärschlamm aus einer benachbarten Trocknungsanlage in 50.000 Liter Bioöl umgewandelt. Dieses Bioöl ähnelt einem fossilen Rohöl, ist aber klimafreundlicher. Es ist thermisch stabil, hat eine niedrige Viskosität und Polarität sowie einen geringen Wasser- und Sauerstoffgehalt. Daher ist es ein hervorragender Rohstoff für die Aufbereitung zu petrochemischen Produkten, zum Beispiel zu Kraftstoffen oder Basischemikalien.

Staatssekretär Tobias Gotthardt betonte die Bedeutung dieser anwendungsorientierten Forschung: »Für die Transformation der Industrie müssen wir uns alle Optionen anschauen. Gerade nachhaltige Kraftstoffe werden für Transport und Mobilität immer wichtiger. Deshalb sind die bisherigen Ergebnisse aus der Fraunhofer Demonstrationsanlage in Hohenburg sehr vielversprechend. Neue Kohlenstoffquellen für industrielle Anwendungen sind gleich zweifach wichtig: Zum einen mindern sie die Abhängigkeit von fossilen Importen und tragen so zur Sicherung der Rohstoffversorgung bei. Zum anderen können Unternehmen dadurch ihre Klimabilanz und die ihrer Produkte verbessern. Beide Aspekte stärken am Ende unsere Wettbewerbsfähigkeit. Ich freue mich deshalb sehr, dass wir in den vergangenen Jahren das Centrum für Energiespeicherung und das Zentrum für Nachhaltige Kraftstoffe mit rund 40 Millionen Euro unterstützten konnten. Ich bin überzeugt: Der Freistaat wird den Prozess, vor allem den jetzt anstehenden Transfer der Wertschöpfung in die regionale Wirtschaft weiter proaktiv begleiten.«

Ausbau des Standorts Hohenburg für das Recycling von Kunststoffen

Die Fraunhofer Anlagen in Hohenburg wurden zunächst für biogene Rest- und Abfallstoffe ausgelegt, mit dem Ziel, nachhaltige flüssige Energieträger und Kraftstoffe zu erzeugen. Diese Technologie der Biomassekonversion (das Thermo-Katalytische Reforming) wird derzeit weiterentwickelt und optimiert. Die nächste Anlagengeneration, die auch in Entwicklungs- und Schwellenländern zum Einsatz kommen soll, ist bereits im Pilotmaßstab vorhanden. Zusätzlich werden die Anlagen jetzt für kunststoffhaltige Abfälle angepasst - eine weitere wichtige Kohlenstoffquelle der Zukunft. Kunststoffhaltige Abfälle werden heutzutage größtenteils thermisch verwertet. Mit fortschrittlichen Recyclingtechnologien könnten sie aufbereitet und im Kreislauf gehalten werden.

Prof. Matthias Franke, Leiter Institutsteil Sulzbach-Rosenberg, sagt: »Wir arbeiten bei UMSICHT am so genannten chemischen Recycling. Die bewährten mechanischen Recyclingverfahren können damit ergänzt werden. In Hohenburg können die Produkte aus chemischen Recyclinganlagen in größeren Mengen zu chemischen Grundstoffen aufbereitet werden. Diese können dann von Raffinerien oder im Kunststoffsektor für Tests und eigene Entwicklungsarbeiten genutzt werden. Letztlich wollen wir damit zeigen, dass sich bestehende industrielle Infrastrukturen mit nachhaltigen, nichtfossilen Rohstoffen betreiben lassen.«

Europaweit herausragende Forschungsanlage

Die Produktions- und Aufbereitungskapazität der Forschungsinfrastruktur in Hohenburg ist europaweit herausragend. Sie ist schon heute ein wichtiger Baustein diverser Forschungsprojekte zur Energie- und Rohstoffwende, die in Bayern aus Mitteln des Wirtschaftsministeriums gefördert werden. Aufgrund des großtechnischen Maßstabs bietet sie neue Möglichkeiten für die Bayerische Industrie. Die industrielle Anwendung nachhaltiger Rohstoff-Technologien rückt damit einen Schritt näher. 

 

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